Die Fanin sitzt in der zweiten Reihe. Die erste ist unbesetzt. Sonst säße sie natürlich dort. Ein Wesen von einem anderen Stern. Alle im Raum sind auf sie konzentriert. Sie spricht am lautesten, lacht am wildesten, klatscht knackig und glücklich einen Takt. Stimmung, Stimmung! Aber sofort! Alle rutschen ein wenig in sich zusammen, sind gegen ihren Willen fasziniert und warten mit Spannung, was sie als nächstes tun wird. Eigentlich ist sie eine Bierzelt- und Dorffestgängerin, die sich – weithin an Brille und Kleidung erkennbar – für zu schlau für derartiges hält. Außerdem sind wir doch in Berlin! Deshalb eben Lesebühne. Kein schlechter Ersatz, denke ich, und setze die Flasche an die Lippen, still vergnügt.
enhyloi - 02.04.2009