logoi enhyloi
 


Ich weiß nicht, ob es ein Universitäts-Mensa-Phänomen ist oder ob es eine bestimmte Altersgruppe betrifft. Die Altersgruppe, in der man die Selbstverständlichkeit, mit der man zu Schulzeiten entweder in Gruppen integriert war oder sie mit hassartigen Gefühlen gemieden hat, verloren hat – die Altersgruppe, in der man noch keine Familien gegründet hat, mit denen man vorwiegend rumhängt. Die einen entdecken, dass es in der Universität ohne die Clique weitergehen muss. Man findet viele von denen bei StudiVZ – auch nach, fast möchte ich sagen, Jahrzehnten immer noch das Abi-Abschlussbild vergötternd, auf dem sie alle zwar picklig, aber faltenlos, und genauso wie später mit Bierflasche in die Kamera grinsen. Sie suchen sich neue Gruppen, aber die Sehnsucht bleibt. Die anderen merken, dass sie allein nicht allein sind, und langsam bildet sich ihr natürlicher Gruppenfluchtreflex zurück. Irgendwann finden sie sich in Gruppen wieder, die sie anfangs für Nicht-Gruppen hielten. Mit Bierflasche auf irgendeiner Couch sitzend, haftet ihnen dabei Unwohlsein als Atavismus an. Und alle gehen in die Mensa, die Essensfabrik, in der genau wie zu Schulzeiten mit großen Kellen aus großen Kübeln das zu Verzehrende gefischt und mit schmatzenden Geräuschen auf Teller geklatscht wird. Entweder gibt es lange Schlangen oder ein unentwirrbares Knäuel kurzer Schlangen. Der Stärkere oder Geschicktere oder Hintertriebenere siegt. Am besten, man vereint alle drei Eigenschaften in sich, dann wird man Mensa-König, wie im Dschungel halt. Irgendwann landen alle, mit Adrenalin vollgepumpt ob des Kampfes um die Nahrung, in der HALLE und sitzen an langen Tischen. Tische, die inzwischen von Pseudo-Designstühlen umstanden sind. Macht keinen Unterschied. Das Wesen einer Sache liegt nicht in ihrer äußeren Erscheinung. Die Mensa-Innendesigner haben es erfasst und zeigen es doch: Fabrikapplikationen überall. Rohre an der Decke. Rohe Wände. Ein Sichtschutz mit der Silhouette armer Arbeiter aus den 30ern, schätzungsweise. Sehr schick, sehr modern. Am besten, man schaut aus den Fenstern.
Dort an den Tischen kann man es dann beobachten, so verbreitet, dass es eine feste Eigenschaft des Ortes zu sein scheint: Menschen – Männlein wie Weiblein – sitzen mit Menschen zusammen, führen mit Menschen Gespräche, mit denen sie sich offensichtlich langweilen. Das ist an sich nicht weiter bemerkenswert, denkt man an gemeinsame Belegschaftsmittagessen. Es wird erstaunlich, wenn man sich klarmacht, dass dies hier Studenten sind. Freie Menschen, Menschen, die zusammen sein können, mit wem sie wollen. Sie gehen freiwillig mit Langweilern essen. Und zwar in Massen. Gibt es einen Ort, an dem sinnloser Worte vergeudet werden? Ich wage es zu bezweifeln. Gespräche haben hier noch nicht einmal eine soziale Funktion, denn man findet sich mit Menschen zusammen, zu denen man keine Bindung benötigt. Weder Inhalt noch Funktion spielen eine Rolle. Warum das Ganze? Es ist für die eine Gruppe die Angst davor, allein essen zu gehen. Allein gesehen zu werden. Sich allein zwischen all den vielen tausend Studenten zu fühlen, weil es so viele sind. Dann besser mit irgendwem. Die anderen wollen nicht mehr allein sein, weil sie nicht mehr allein sein müssen. Es spielt keine Rolle, ob sie sich allein wohler fühlten. Sie müssen erst darüber hinweg kommen. Jetzt zeigen sie, wir haben es geschafft.



Damals versuchte er ihr die Welt zu erklären, in der Badewanne sitzend, vor sich die kleine, kurzhaarige, am Waschlappen zutschende Tochter. "Jedes Ding hat seine Vorteile und seine Nachteile", sagte der Herr Vater, wobei seine Hände Drehbewegungen vollzogen.

Nicht schön ist es, im Niesel mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Schön aber, dabei an den bepieselten Merkel-Polizisten vorbeizukommen, die schon Stunden dort ausharren.
Nicht schön, das Büro seltsam verwaist vorzufinden. Schön aber, Fra glücklich und verliebt in Turin zu wissen.
 


Heute muss es einfach mal deutlich gesagt werden: Gewisse Donnerstagsmenschen können sich gehackt legen!



Gestern war ein Schwarzer Hahn.







Ampel
Aktion 'Schöner Radeln in Berlin'.
 


Schöne neue Blog-Welt. Erst frisch hier hinein geschlüpft (worden), nimmt ihre Mechanik mich mit. Ich lese herum, springe von Link zu Link zwischen denen, die sich kennen, die wissen, dass sie und die, die sie kennen, die guten Blogs schreiben. Ich springe unerkannt, wissend, dass ich dort hineinfunken könnte, dass ich probieren könnte, erkannt zu werden. Doch was passiert dann? Man geht ja auch nicht nackt auf eine Party in einem Haus, an dem man quasi zufällig vorbeikommt. Eine Party, auf der alle anderen Anzüge und Abendkleider tragen. Nein nein, mein Herz, bleib ein Voyeur! At least for a good while.



Dragonfly out in the sun you know what I mean, dont you know
Butterflies all havin' fun you know what I mean
Sleep in peace when day is done
That's what I mean

And this old world is a new world
And a bold world
For me

Stars when you shine you know how I feel
Scent of the pine you know how I feel
Oh freedom is mine
And I know how I feel
 


Der Sucht Folge, beschreibbar durch verschiedenste Wissenschaften, bekannt unter dem Namen "Entzug".



Sucht.



Bin so hoher Stimmung, dass ich die ganze Zeit wie wild freudige, dumme, nur für mich witzige Laute ausspucken und tippen könnte. Wirres, irres Zeug. Mein Blut ist vollgepumpt mit der Droge Euphoria. Die spezielle, die man zu zweit einnehmen muss.



Freundliches, höchstes Glück.



Warten, dass sich alles zurechtrückt. Es kommt näher.
 


Die Personen, bei denen ich mich aufgehoben und frei fühle, können ganz unterschiedlich sein. Es gibt sie in dunkel und in licht. Das Dunkel ergänzt mich, das Lichte ist mir ähnlich. Ich habe den Fehler gemacht und geglaubt, ich müsse mich dem Menschen in dunkel ähnlich machen, ihm gleich werden, um eins zu sein. Doch wenn das Dunkle sich in mir breit macht, wird mein Ich ausgelöscht. Es ist nicht, als ob zwei gleichwertig starke Farben eine neue bilden oder als ob man Zitrone in schwarzen Tee gibt. Es ist schwarze Tinte großzügig in klares Wasser geschüttet. Wenn das passiert, ergänzt mich nichts mehr. Nun fülle ich allmählich Wasser nach. Ausgeschüttet von dem Lichten.



anthrôpou aition ta te stoicheia pyr kai gê hôs hylê kai to idion eidos kai eti to allo exô hoion ho patêr kai para tauta ho hêlios...
Ich kann daraus nur schlussfolgern, dass ein Geburtstag mit einer Kerze, die am Ende ausgepustet werden sollte, Kuchen, Saft und einem Papphut zu feiern ist sowie mit dem Papa und bitteschön bei leuchtendem Sonnenschein.



Rosen

This shitty world sometimes produces a rose
the scent of it lingers and then it just goes.



Habe das erste Mal seit bestimmt zwei Jahren den Arbeitsweg wieder mit den Fahrrad absolviert. Der Morgen begrüßte mich mit strahlendem Sonnenschein und Gegenwind, der zu altvertrauten Tränen in den Augen führte. Glückliche Viertelstunde! Ich werde die nächsten Wochen damit verbringen, den besten Weg herauszufinden. Heute morgen war es mehr ein Crosslauf mit Rad.
 


cedars

Wichtige Erinnerung: Warme Hand mit festem Griff auf nackter Rückenhaut. Dabei libanesischen Zedern lauschen.
 


Was gehört alles zu den arrhêta, wenn man sich auf einem außerpartnerschaftlichen Trip befindet? Noch dazu auf einem, in dem man sich alles offenbart, geheime Tagebücher zum Beispiel. Eine Frage, die ich nicht beantworten werde. Denn Dinge bekommen eine andere Realität, wenn man sie ausspricht oder ausschreibt. Das Konzept des arrhêton: Pscht! Sprich nicht davon. Es könnte dich verfolgen. Wie die Erinnyen den armen Orestes. Es bleibt die Faszination alles Verbotenen, auch wenn das Verbot selbst auferlegt ist. Und es bleibt das Gefühl, dass die zur Verfügung stehenden Wörter irgendwann – irgendwann – nicht mehr ausreichen. Man sitzt dann vor den Wortresten auf dem Schuber und möchte dringend aussetzen, um neue Wörter aus dem grünen Säckchen zu holen, zur Not auch die arrhêta. Sie dienen doch nur als Stütze, als Brücke, als Notbehelf. Und dann gewinnen sie ein Eigenleben. Schaffen, einmal gesagt, eine neue Dimension. Es ist unmöglich, den Punkt zu erwischen, bevor sie die Kontrolle übernehmen.
Doch es gibt einen kleinen Ausweg. Sage sie nur in der Trunkenheit.



Tief in mir drin, tief in mir drin
bin ich verwegen.



Orte werden besetzt. Es bildet sich ein Netz. Viele Netze, denn die Verbindungen werden durch verschiedene Erinnerungszusammenhänge hergestellt. Räumliche Nähe der Orte ist dafür nicht von Bedeutung. Es kann derselbe Park sein. Dennoch leuchtet die Bank in einem dunklen Rot, die Unterführung knallt hell, türkisblau. Flimmernde Lebendigkeit, umgeben von Grauzone. Übereinanderliegende Wahrnehmungsschichten. Ein neues Netz ist im Entstehen begriffen.

die schönheit der gefahr
dokei eniois philosophia einai
eis apeiron
erhellung
friktionen
ganz fiese kreise
gnônai sauton
interna
kupfer in sonne
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